Aqua Claudia

Diese Wasserleitung wurde unter Caligula im Jahre 38 n. Chr. begonnen und (Frontinus zufolge) am 1. August des Jahres 50 von Claudius eingeweiht[1], der ihr auch seinen Namen gab. Sie wurde aus zwei Quel­len an der Via Sublacensis gespeist (Curtische und Caeruleische Quelle), im Anio-Tal, oberhalb der Aqua Marcia. Außerdem wurde die Albudinische Quelle ein­geleitet. Überschüssiges Was­­ser der Aqua Augusta, das von der Aqua Marcia nicht aufge­nom­men werden konnte, führte man ebenfalls der Aqua Claudia zu. Innerhalb der Stadt wurde zur Zeit des Frontinus das Wasser der Aqua Claudia mit dem des Anio Novus vermischt[2]. Die Leitung hatte eine Gesamtlänge von ca. 69km und erreichte Rom auf Bögen (vgl. Tabelle 1). Das Absetzbecken befand sich am 7. Meilenstein der Via Latina[3].

Im Anio-Tal verlief die Leitung zunächst auf dem rechten Ufer, überquerte den Fluß bei Varia (Vicovaro) und war dann neben Aqua Marcia und Anio Vetus verlegt[4]. Neben den Aquae Marcia, Tepula und Iulia erreichte die Leitung die Mündung der Via Labicana in die Via Praenestina; genau hier überschritt sie die Via Praenestina, knickte wieder in nordwestlicher Richtung ab, bevor sie auf die drei anderen Leitungen getroffen wäre, und erreichte kurz darauf das Verteiler­kastell[5]. Es bestand aus 5 sehr hohen Kammern mit geschätzten ca. 3000m³ Fassungs­vermögen[6]; die Leitung war als höchste der bisherigen Leitungen in die Stadt geführt, so daß alle Hügel Roms von hier aus mit Wasser versorgt werden konnten[7]. Die Aqua Claudia war zugleich auch ergiebiger als alle anderen Leitungen der Stadt[8]. Zur Zeit des Frontinus gab sie in der Nähe von Rom eine geringe Wassermenge an die Aqua Iulia ab[9]. - Vgl. a. den Anio Novus. 

Die Bogenreihen bestanden aus hellem Tuffstein, in Rustika-Mauerwerk; die Pfei­ler hatten ei­ne größere Stärke als die darüberliegenden Bögen[10]. Damit ähnelt die Architektur auffallend der­­jeni­gen der deutlich älteren Aqua Marcia, ohne allerdings ihre Farbigkeit zu über­nehmen.

 



[1] Zur Leitung Frontinus 13,1-4 und 14. In 13,3, nennt er das Jahr 803 ab urbe condita, wobei Aicher, S. 42, auf den Widerspruch mit der Inschrift über der Porta Praenestina und einer Textstelle bei Tacitus hinweist; das Datum 52 in der Inschrift (CIL VI, 1256; vgl. u., Kap. VI, Inschrift 4)) schließt allerdings den Anio Novus ein, könn­te sich also auch auf diese mög­licherweise nachträglich vollendete Leitung beziehen. Eine Textstelle bei Taci­tus , Annales 11,13, sagt ent­ge­gen Aicher, S. 42, nichts über eine Nutzung bereits im Jahre 47 aus, sondern bezeichnet nur die Bauarbeiten. Zum Beginn unter Caligula vgl. a. Suetonius, Buch IV, 21 (s. u., Kap. VI, Text 3).

[2] Frontinus 86,1. Zur Albudinischen Quelle vgl. a. Suetonius, Buch V, 1 (s. u., Kap. VI, Text 4).

[3] Dies ergibt sich aus Frontinus 19 und 20.

[4] Richter, S. 319ff. Zum Verlauf vgl. a. Aicher., S. 42.

[5] Vgl. Evans, S. 117, Richter, S. 319ff., sowie Aicher, S. 42 und S. 55f.  

[6] Tölle-Kastenbein, S. 144.

[7] Plinius d. Ä., Bd. 36, 122 ; vgl. Frontinus 86,3, sowie auch 18,4.

[8] Frontinus 72,1. Vgl. Kapitel II.

[9] Frontinus 69,3.

[10] Zum Material vgl. Aicher, S. 53, S. 55.